Entrup 119 - landwirtschaftliche Initiative und Gärtnerhof im Münsterland
Kopfgrafik - Schafe auf Wiese

Der gemeinsame Grund – SoLaWi - ein Reisebericht von Tina

Ein Reisebericht vom Netzwerktreffen der Solidarischen Landwirtschaft 13. - 15.11.2015 in der Gemeinschaft Lebensbogen bei Kassel

Hessen, Hügel, Nieselregen – wenigstens der Nieselregen ist mir vertraut und als münsterländer Flachländer bekomme ich schon beim Blick aus dem Zugfenster Ohrendruck und Respekt vor den Höhenmetern. An diesem dritten Novemberwochenende hat das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft zu seinem 5. herbstlichen Netzwerktreffen eingeladen. Der Solidarische Landwirtschaft e.V. versteht sich als Vernetzungsorgan und Förderer des Konzeptes. Gegründet im Sommer 2011 vereint das Netzwerk Höfe und Einzelmitglieder, unterstützt Initiativen, berät, veröffentlicht und forscht. Ich war beeindruckt von den Menschen, die in so kurzer Zeit diese sichtbare und lebendige Struktur geschaffen haben. Der Gärtnerhof Entrup 119 wurde durch eine Stimme vertreten, die weder landwirtschaftliches Know-how, noch gärtnerische Qualitäten mitbringt, aber genüßlich überzeugt auf drei Jahre CSA Mitgliedschaft blickt. Mit Namensschild und Hofbezeichnung am Pulli wurde ich von vielen Menschen herzlich begrüßt, gedrückt und interessiert befragt. Mit im Gepäck hatte ich die Entrup Postkarten und einige Exemplare des neuen Flyers, welche bewegte und interessierte Abnehmer fanden. An dieser Stelle möchte ich hochherzlich die Lorbeeren weiter geben an das Entrup-Hofteam, an Ehemalige und aktuell Aktive. Das „Solidarische“ im Namen wird gelebt und dieser Geist umhülllte das gesammte Treffen.

Ca. 100 Teilnehmer stellten sich am Freitag zu einer lebenden Landkarte in den großen Theatersaal. Das murmelnde Bild war Programm, der Austausch funktionierte und explodierte von Anfang an. Thema und Start der Tagung war die Frage „Was macht Solidarische Landwirtscht eigentlich aus?“ . Als Impuls berichteten zwei Mitglieder von dem URGENCI Treffen , dem internationalen CSA Netzwerk , wo zur Zeit ein „European Charta on CSA writing process“ statt findet - ein kollaborativer Schreibprozess an einer europäischen Erklärung zu Solidarischer Landwirtschaft.

Der Samstag startete mit einem Rückblick auf das Jahr. Sowohl Höfe, Einzelpersonen und Aktive im Netzwerk formulierten ihre Highlights. Der Bau einer Feldscheune, Ernteerlebnisse und eine Auszeichnung wurden bejubelt. Besonders gut hat mir der Bericht: „Running Veggies – Gemüse unterwegs“ gefallen. Hier haben CSA Mitglieder rund um ihre Verteilerstation ein „Running Dinner“ organisiert, ein 3 Gänge Menue an drei unterschiedlichen Orten zwecks Kennen lernen und gemeinsames Genießen, z.B. : Apfel-Holunder-Kornelkirsch Crumble. Danach gab es eine Einführung in die Organisationsstruktur des Netzwerkes, Tätigkeits- und Finanzbericht und endete mit der Wahl des neuen Rates. Der Markt der Projekte und AGs bildete im Café Stil den zweiten Teil des Tages. Thementische luden zu diversen Diskussionsgrundlagen: Wie kann eine Vollversorgung funktionieren; Umgang, Akquise und Verwendung von Spenden: „Kraut“ Funding; Beteiligung bei Demonstrationen z.B. TTIP und Co; Angebot der Web Crew: IT Unterstützung und das Focusthema des Rates für 2016: Kooperationen. Ein sehr emotional beladenes Thema drehte sich um Löhne und Gehälter. Details und Protokolle werden in den nächsten Wochen zusammengetragen.

Auch am Sonntag ging es weiter im Open Space Format. Bis zu zwölf Workshops und Themengruppen wurden parallel angeboten. Die Inhalte wurden von den Teilnehmern eingebracht. Saatgutvermehrung, Olivenöl-Kooperation, Einsteigerworkshop, Regionalgruppenaustausch, Rechtsformen-News. Meine Wahl fiel auf „Methoden in Gruppen“, da mich der Zusammenhalt und die Willkommenskultur von Homo cooperativus saepe primitivus interessiert. Der unbezahlbare Mehrwert dieser Reise war die vielen inspirierenden und vertiefenden Gespräche. Es elektrisiert, Teil einer wachsenden Bewegung zu sein, die den Sprung vom Kon- zum Prosumenten mit so viel Herzblut und Kreativität begeht. Es wäre wunderbar, wenn wir als Entruper CSAler regelmäßig zu den Treffen Themen einbringen würden und die Funken zurück in die Region tragen.

Bitte vormerken: Die nächste Frühjahrstagung findet vom 04. - 07.02.2016 in Tempelhof (bei Crailsheim) statt. Netzwerkeln stärkt und tut gut! Auf der Rückfahrt beiße ich geräuschvoll in meinen SoLaWi Apfel und demonstriere unbemerkt meinen Beitrag zur Ernährungssouveränität. Im Zugabteil rascheln die Tüten der Bäckereischnellketten – ich schließe die Augen, atme tief... und lächle.

Kontakt Reiseberichterstatterin: geschützte E-Mail-Adresse als Grafik


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