Die Praktikanten

Praktikanten von Waldorfschulen
An den Waldorfschulen ist es üblich, dass die Schüler/innen in der 9. Klasse ein drei- oder sogar ein vierwöchiges Landwirtschaftspraktikum absolvieren.
Manche Schule bevorzugen die Klassenlösung, das heißt, dass alle Schüler ihr Praktikum gleichzeitig auf einem Hof absolvieren, der natürlich den damit verbundenen organisatorischen und arbeitstechnischen Herausforderungen gewachsen sein muss.
Die meisten Schulen praktizieren allerdings die Variante, dass ein oder zwei Schüler/innen ihr Praktikum auf einem Hof absolvieren.

Schlussbetrachtungen aus Berichtsheften
Thore
Im Nachhinein denke ich, dass mir das Praktikum zu einer anderen Beziehung zu meiner Nahrung verholfen hat. Ich nehme mein Essen nicht als gegeben hin und denke jetzt darüber nach, wo es herkommt.
Jetzt muss ich jedes Mal beim Essen daran denken, wer alles dafür arbeiten musste und ob es überhaupt gerecht ist, dass ich die Nahrung einfach so zu mir nehme. Und ob nicht jemanden gibt, der es dringender benötigt als ich oder schwerer arbeitet.
Aber auch körperlich hat mir das Praktikum geholfen. Ich konnte endlich wieder gut schlafen und war abends wirklich müde; in der letzten Woche war ich sogar vor neun im Bett. Ich konnte mich endlich richtig betätigen und das länger als ein bis zwei Stunden pro Tag, jedoch sind mir jetzt viele Hemden zu schmal geworden.
Marvin
Am Anfang dachte ich, dass dieses Praktikum durch das viele Arbeiten schnell vorbeiginge, da lag ich leider falsch. Es war nämlich anfangs schwer, sich zu überwinden, die eine oder andere Aufgabe zu übernehmen oder sich stärker mit einer Aufgabe zu beschäftigen, bei der man eventuell dreckig wird. Von Tag zu Tag habe ich gemerkt, wie die Zeit viel schneller verging und die Arbeiten immer leichter wurden. Dabei habe ich die sehr hohe Hilfsbereitschaft der anderen Personen bemerkt, welche ich ihnen gerne zurückgab.
Alles in Allem habe ich viele Facetten der Landwirtschaft negativ und positiv festgestellt und sehe sie als wichtiges Wissen für mein späteres Leben an.
Thore und Marvin von der Freien Waldorfschule in Münster haben ihr dreiwöchiges Landwirtschaftspraktikum im Frühjahr 2011 gemeinsam auf dem Gärtnerhof absolviert.
Silas
Rückblickend bin ich froh darüber, dass ich mich sehr schnell an die anderen Lebensumstände gewöhnen konnte.
Sehr gut fand ich, dass die Mitarbeiter uns sehr viel zutrauten und wir sehr selbständig arbeiten konnten. Durch fragen konnte man sich einiges an Wissen aneignen. Beeindruckt hat mich, dass man auch heutzutage noch gut ‚im Einklang mit der Natur’ leben kann. Bei manch einer Tätigkeit (z.B. dem Stempeln der Eier) hätte ich mir maschinelle Hilfe gewünscht, doch es geht auch ohne, wenn nicht die Produktivität im Vordergrund steht.
Rückblickend wäre ich noch gern in der Molkerei tätig geworden.
Insgesamt hat mir das Praktikum sehr gut gefallen. Es hat meine Erwartungen übertroffen. Es gibt ein gutes Miteinander auf dem Hof und wir sind vom ersten Tag an anerkannt worden.
Max
Insgesamt hat mir das Praktikum sehr gut gefallen. Die Menschen auf dem Hof waren sehr freundlich und haben mir alle Fragen beantwortet.
In den drei Wochen habe ich einen Einblick in einen landwirtschaftlichen Betriebt erhalten und habe vieles über die biologisch-dynamische Landwirtschaft dazugelernt.
De Aufenthalt auf dem Hof und die Arbeit haben mir meistens gefallen, auch wenn die Arbeit manchmal recht anstrengend war. Nicht sehr gut gefallen hat mir die Kälte.
Max und Silas von der Freien Waldorfschule in Münster haben ihr dreiwöchiges Landwirtschaftspraktikum im Frühjahr 2010 gemeinsam auf dem Gärtnerhof absolviert.
Jannis
Die drei Wochen Praktikum auf dem Hof waren anfangs für mich körperlich sehr ungewohnt und anstrengend. Auch das frühe Aufstehen und der lange Arbeitstag haben mich geschafft. An meinen Fingern bildete sich Hornhaut und ich hatte Blasen an den Füßen vom stundenlangen Tragen meiner Gummistiefel. Abends war ich total kaputt und pflegte meinen Muskelkater, indem ich früh ins Bett ging.
Am Ende der Zeit merkte ich aber, dass mir die Arbeit etwas leichter fiel und ich mich auch an den Tagesablauf gewöhnt hatte. Mein Körper brauchte mehr Energie und ich habe viel mehr als sonst gegessen.
Das Badezimmer mit vielen anderen Leuten zu teilen, machte mir am Ende auch nicht mehr soviel aus, genauso wie dreckige Arbeitskleidung zu tragen oder der Schmutz und Geruch im Stall. An den Wochenenden langweilte ich mich schon fast, weil die Tage nicht mit Arbeit ausgefüllt waren.
Rückblickend betrachtet komme ich für mich zu dem Schluss, dass mir einige Tätigkeiten auf dem Hof sogar Spaß gemacht haben, wie z.B. die Arbeit mit den Tieren. Allerdings steht der Beruf des Landwirts nicht gerade ganz oben auf meiner Berufswunschliste.
Jannis von der Freien Waldorfschule in Münster ist im Mai 2009 dreiwöchiger Praktikant auf dem Gärtnerhof gewesen.

