












Aktuelles
Demeter e.V. fordert Bundesregierung zum Handeln auf
Montag 07. Juni 2010
Ernährungslage verschärft sich weltweit – Aktuell eine Milliarde hungernde Menschen - Agrarpolitik muss nachhaltig werden
DARMSTADT (NNA). Harte Kritik an der Agrarpolitik der deutschen Bundesregierung hat Demeter e.V. geübt. Angesichts der dramatischen weltweiten Probleme im Agar- und Ernährungsbereich könne es kein „Weiter-wie-bisher“ geben, die Bundesregierung müsse sich stärker für eine faire und nachhaltige Landwirtschaft engagieren und damit die Konsequenz aus dem Weltagrarbericht ziehen, forderte die Delegiertenversammlung des Verbandes.
Dieser Bericht, der 2008 von einem internationalen Expertengremium im Auftrag der UN vorgelegt wurde und den die Bundesregierung bis jetzt nicht unterzeichnet hat, geht von aktuell einer Milliarde hungernder Menschen auf der Welt aus. 70 Prozent von ihnen leben auf dem Land. „Sie brauchen Unterstützung zur Selbsthilfe, keine Agrarindustrie“, heißt es in der Resolution.
Außerdem fordern die Demeter–Landwirte, -Händler und -Konsumenten eine verstärkte Forschung zu standortgemäßen Methoden unter Einbezug des Wissens von Praktikern wie Landwirten. Das europäische Agrarmodell einer multifunktionalen, regionalen und nachhaltigen Landwirtschaft ohne Gentechnik müsse ausgebaut werden.
Die Delegiertenversammlung forderte die Bundesregierung auf, die aktuelle Überarbeitung der EU-Agrarpolitik zu nutzen, um die Landwirtschaft in Europa auf nachhaltigere und gerechtere Grundlagen zu stellen. Die Politik müsse sich aktuellen Herausforderungen stellen wie dem Klimawandel, dem Artensterben und dem Verlust der Bodenfruchtbarkeit und damit helfen, das Leben auf dem Land überall auf der Welt zukunftsfähig zu machen.
Demeter ist der älteste Öko-Landbauverband mit der weltweit umfangreichsten Erfahrung und in 45 Ländern rund um den Erdball aktiv.
Freie Wahl - auch beim Essen
Honigbienen verhungern mitten im Sommer
Die Honigbienen in Deutschland leiden mitten im Sommer an Futtermangel und würden verhungern, wenn sie nicht vom Imker mit Zuckerwasser am Leben erhalten würden. „Der Futtermangel in der Natur ist dramatisch“ erklärt Imkermeister Günter Friedmann, Sprecher der biodynamischen Demeter Imker und Träger des Förderpreises ökologischer Landbau. Beobachtungen an seinen eigenen Bienenvölkern und beunruhigende Meldungen von Imkerkollegen aus ganz Deutschland, veranlassen ihn, jetzt einen Alarmruf zu starten..„ Wenn nicht rasch ein Umdenken und ein neues Handeln in der Landwirtschaft erfolgt, werden wir stumme Sommer erleben - und sehen, dass die Bienen für die Bestäubung und damit auch für die Ernten unersetzlich sind“. Mehr lesen, siehe folgenden Link:
Ein "tödliches Geschenk" der grünen Gentechnik?
Auf Indiens Äckern mit Gentech-Baumwolle macht sich die Schmierlaus breit. Dies wird als weiterer Beleg dafür gewertet, dass die sogenannte Bt-Baumwolle anfälliger gegen Schädlinge ist. Ram Kalaspurkar bezeichnet die Schmierlaus als "tödliches Geschenk von Monsanto". Der Sprecher der Vidarbha Organic Farmers Association stellt damit einen Zusammenhang her zwischen dem Auftreten der Laus und der Einführung von gentechnisch veränderter Baumwolle durch den US Konzern. Zwar kann sich Bt-Baumwolle, in die das Gift eines Bakteriums mit gentechnischen Methoden eingebaut worden ist, gegen bestimmte Schädlinge wehren. Andererseits ist Bt-Baumwolle allerdings anfälliger gegenüber anderen Schädlingen, weshalb die Bauern nach einigen Jahren mehr Pestizide einsetzen müssen. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Bt-Gift auch Nützlingen schadet und dadurch anderen Schadinsekten den Weg frei macht.
"Absolutes Desaster"
So bezeichnete der britische Thronfolger Prinz Charles die Folgen der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft, die "ein gigantisches Experiment mit der Natur und der ganzen Menschheit“ betreibe. In einem Interview mit dem Daily Telegraph prangerte der britische Thronfolger vor allem die zunehmende Abhängigkeit von den "gigantischen" multinationalen Konzernen an, die in einem "absoluten Desaster" enden werde. Der als Ökolandwirt bekannte Prinz wies dabei auf die Folgen für Kleinbauern in Entwicklungsländern hin. Sie seien die Opfer, wenn die großen Konzerne die Lebensmittelproduktion übernehmen: Millionen Kleinbauern würden von ihrem Land verjagt und müssten in den Slums der Städte ums Überleben kämpfen. Prinz Charles kritisierte auch die Politik der britischen Regierung, die seit dem Jahr 2ooo mehr als 5o Genanbauversuche genehmigt hat.
Bio kommt auch dem Klima zugute
Ökolandbau produziert etwa zehn bis 20 Prozent weniger Treibhausgase als der konventionelle Anbau. Der schonendere Umgang mit dem Boden führt zu einer stärkeren Humusbildung. Humus fungiert auch als Senke für Kohlendioxid. Das heißt: je mehr Humus, desto besser fürs Klima. Eine Studie zeigte, dass bei ökologischer Bewirtschaftung zwölf bis 15 Prozent mehr Kohlenstoff im Boden gebunden werden können als bei anderen Wirtschaftsformen. Doch auch das Einkaufsverhalten steht auf dem Prüfstand. Soll der Bioapfel aus der Region kommen? Im Prinzip ja. Experte Michael Blanke von der Universität Bonn errechnete, dass der mit dem Kühlschiff aus Übersee angereiste Apfel rund ein Drittel mehr Energie verbraucht als ein hiesiger, der nach Saisonende noch fünf Monate im Kühlhaus Winterschlaf hält. Allerdings entscheidet nicht nur die Herkunft eines Produktes darüber, wie klimafreundlich es ist, sondern vor allem auch, wie es gelagert und verarbeitet wird. Auch strenge Vegetarier können einen Bonus für sich verbuchen, denn tierische Lebensmittel belasten das Klima um ein Vielfaches mehr als Obst oder Gemüse. Nach Zahlen des Freiburger Öko-Instituts werden während der Käseproduktion 56-mal mehr Treibhausgase freigesetzt als beim Gemüseanbau; Fleischerzeugung schlägt mit der 34-fachen Menge zu Buche. Engagierte Klimaschützer kaufen also möglichst BIO, regional und, so gut es geht, auch saisonal. Ob man darüber hinaus auch noch auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten will, bleibt jedem selbst überlassen.
(natur + kosmos, Februar 2008, S.20)
Schüler auf die Bio-Höfe - Demeter bietet sinnliches Erlebnis in Sachen gesunde Ernährung
Minister Seehofers Initiative, Ernährung und Hauswirtschaft als Schulpflichtfach zu etablieren, stößt bei Demeter, dem ältesten Öko-Verband, auf positive Resonanz. Allerdings gehen die bio-dynamischen Spezialisten in Sachen nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel noch einen Schritt weiter.
Demeter-Vorstand Joachim Bauck fordert eine Initiative „Schüler auf die Höfe“. Er weiß, wofür er plädiert: „Auf den Bauckhof in der Lüneburger Heide kommen jedes Jahr zwölf bis 14 Schulkassen mit je bis zu 40 Schülerinnen und Schüler. In zwei Wochen erleben die 15- bis 16jährigen hautnah, wie Lebensmittel entstehen und zu leckeren Mahlzeiten werden. Das überzeugt mehr als theoretischer Unterricht.“ Allein auf dem Bauckhof können jedes Jahr rund 500 Mädchen und Jungen auf dem Feld, im Garten, im Wald oder bei der Heckenpflege sowie im Stall mitarbeiten. Außerdem kommt jeder in dieser Zeit auch in die Küche, wo für die gesamte Hofmannschaft gekocht wird. Natürlich wird auch über Bio-Anbau und gesunde Ernährung gesprochen – und selbst die Lehrer erfahren da noch Neues.
Die rund 1400 Demeter-Höfe in Deutschland bieten in allen Teilen der Republik Praktikumsplätze für Schüler und Studenten. Selbst wenn das Platzangebot nicht so üppig ist wie auf dem Bauckhof in Amelinghausen finden zwei bis vier Schüler meist gemeinsam Platz auf bio-dynamischen Betrieben. „So kann Demeter schon seit vielen Jahren einen sinnvollen Beitrag für die Entwicklung dieser wichtigen Kompetenz in Sachen Ernährung und Umweltbewusstsein leisten,“ unterstreicht Bauck. Er wünscht sich, dass dieses Beispiel im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht.
(Pressemeldung von Demeter Oktober 2007)


