Solidarische Landwirtschaft · Naturschutz · Bildung

Gärtnerhof Entrup e. G. und Initiative Entrup 119 e. V.

30 Jahre Initiative Entrup 119 – es war uns ein Fest!

Illustration Vogel

Altenberge, 27. September 2026. Seit 30 Jahren setzt sich die Initiative Entrup 119 e.V. für den Erhalt ökologischer Landwirtschaft, gemeinschaftliches Wirtschaften und Bildung rund um die Themen Ernährung und Landwirtschaft ein. Am 27. September feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit zahlreichen Weggefährten, Unterstützern und Vereinsmitgliedern kam man im Rahmen des traditionellen Erntedankfestes auf dem Hof Entrup 119 zusammen. Rund 100 Besucher waren zum Jubiläumsfest gekommen.

Mit vielen engagierten Menschen begann die Geschichte des Hofs

Die Geschichte des Vereins begann 1996, als die Hofstelle Entrup 119 zum Verkauf stand. Bereits damals lebte eine Gruppe ökologisch engagierter Menschen auf dem Hof und betrieb dort eine kleine Demeter-Landwirtschaft. Angesichts des drohenden Verkaufs schlossen sich zahlreiche Menschen zusammen, um die Hofstelle für die ökologische Landwirtschaft zu erhalten. Und mit Direktkrediten, Spenden, Bürgschaften und einem Kredit der GLS Bank gelang es tatsächlich, den Hof zu kaufen und dauerhaft für die biologische Landwirtschaft zu sichern.

Wie sich der Hof und die Gemeinschaft seitdem entwickelt haben, war ein zentraler Bestandteil des Jubiläumsprogramms. Vereinsvorständin Dirten von Schmeling sprach auf dem Podium mit Christiane Rodewald, der Gründerin der ersten Hofgemeinschaft. Auch Landwirtin Christiane Bez und Vereinsvorsitzender Heinrich Stienkemeier berichteten von den vergangenen Jahren und insbesondere von der Entwicklung hin zur Solidarischen Landwirtschaft.

Entrup 119 gehört zu den ersten fünf Höfen in Deutschland, die nach den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft arbeiten und wirtschaften. Heute ist das Modell fest auf dem Hof verankert: Die Hofstelle und 12 ha Land befinden sich im Besitz des Vereins. Die Landwirtschaft wird von einer Genossenschaft getragen. Rund 230 Genossen gehören inzwischen zu dieser Gemeinschaft.

200 Haushalte beziehen Lebensmittel direkt vom Hof

Was vor 30 Jahren mit dem gemeinsamen Engagement einiger Menschen begann, ist heute eine lebendige Gemeinschaft und ein regionales Versorgungsmodell. Rund 200 Haushalte beziehen jede Woche frisches Gemüse, Brot, Käse, Eier und Lammfleisch vom Hof. Damit ermöglicht Entrup 119 eine Landwirtschaft, die ökologisch, regional und gemeinschaftlich getragen ist.

Auch Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit. Jedes Jahr absolvieren etwa drei bis vier junge Menschen auf dem Hof ihre Ausbildung zum Gemüsegärtner beziehungsweise zur Gemüsegärtnerin oder zum Landwirt beziehungsweise zur Landwirtin. Darüber hinaus ist Entrup 119 Lernort für Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr und für Praktikanten.

Mitmachtage, Workshops und Kinderprogramme ergänzen das Bildungsangebot. Schulen und Kindertagesstätten besuchen den Hof, um zu erleben und zu lernen, wie Lebensmittel entstehen. Damit engagiert sich die Initiative nicht nur für den Erhalt der Hofstelle und die Förderung des biodynamischen Landbaus, sondern auch für die Vermittlung von Wissen über Landwirtschaft, Ernährung und nachhaltiges Wirtschaften.

Niko Paech: „Die Solidarische Landwirtschaft ist eine Blaupause“

Ein besonderer Höhepunkt des Jubiläumstages war der Vortrag des Ökonomen und Verfechters der Postwachstumsökonomie apl. Prof. Niko Paech von der Uni Siegen. Paech beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Solidarischen Landwirtschaft und misst ihr große Bedeutung bei der Bewältigung drohender Ernährungskrisen bei.

In seinem Vortrag beschrieb er die Auswirkungen einer von Konsum und Wachstumsorientierung geprägten Wirtschaftsweise und stellte die Frage, wie Landwirtschaft und Ernährung angesichts von Klimawandel und zunehmenden Krisen resilienter gestaltet werden können.

Die Solidarische Landwirtschaft bezeichnete Paech als ein besonders tragfähiges Modell innerhalb der Agrarwirtschaft, um der Bedrohung der Ernährungssicherheit ein resilienteres Wirtschaftsmodell entgegenzusetzen. „Unser Handeln als Zivilgesellschaft bestimmt die Politik. Damit hat jeder Einzelne eine Mitverantwortung aber eben auch die Chance, unsere Gesellschaft zu gestalten“, sagte Paech. Und mit Blick auf die Solidarische Landwirtschaft ergänzte er: „Die solidarische Landwirtschaft ist eine Blaupause, an der man sich orientieren kann, um künftige Krisen und den Kollaps in der Landwirtschaft einigermaßen menschenwürdig zu gestalten.“

Erntedank, Begegnung und gemeinsamer Rückblick

Zu den Gästen des Jubiläumsfestes gehörte auch der Bürgermeister von Altenberge, Jan Röschenkämper. Ebenfalls vertreten war mit Vorstandsmitglied Nikolai Fuchs die GLS Bank Stiftung beziehungsweise die GLS Treuhand, die mit der Geschichte und Finanzierung des Hofes seit vielen Jahren verbunden sind.  

Das 30-jährige Vereinsjubiläum wurde gemeinsam mit dem alljährlichen Erntedankfest gefeiert. Blickfang auf dem Hof war ein reich geschmückter Erntedankwagen. Bei strahlendem Herbstwetter kamen die Gäste unter den Bäumen zum gemeinsamen Mittagessen zusammen und konnten sich am üppigen Mitbringbuffet bedienen.

Viele Weggefährten, Unterstützer und Vereinsmitglieder nutzten den Tag, um Erinnerungen auszutauschen. Man ließ die Entwicklung des Hofes Revue passieren diskutierte über die Zukunft der Landwirtschaft.

Am späten Nachmittag ging ein abwechslungsreicher Festtag zu Ende. Die Initiative Entrup 119 und die Hofgemeinschaft blickten dabei nicht nur auf drei Jahrzehnte Vereinsgeschichte zurück. Sondern auch nach vorn: auf die Frage, wie alle gemeinsam Landwirtschaft, Ernährung und Versorgung auch in Zukunft gemeinsam gestalten.