Entrup 119 - landwirtschaftliche Initiative und Gärtnerhof im Münsterland
Kopfgrafik - Schafe auf Wiese

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Stephanie Wilde, die für das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft arbeitet, hat im Juni 2012 das erste deutschsprachige Buch zum Konzept der Solidarischen Landwirtschaft bzw. CSA  herausgegeben:

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Einführung in die Solidarische Landwirtschaft

Darin hat sie Erläuterungen zu einzelnen Aspekte beim Aufbau und zur Umsetzung in die Praxis sowie Hintergrundinformationen gesammelt.

Thorsten Liebold, ein CSA'ler der ersten Stunde, hat die Entwicklung der Solidarischen Landwirtschaft auf dem Gärtnerhof in folgender Weise beschrieben:

Entrup 119, Münsterland - Unser kleiner Bauernhof

Die Gründung der Initiative „Entrup 119" in Altenberge hat eine lange Vorgeschichte. Aber kurz: Seit 1987 wurde eine kleine Fläche des ehemaligen Hofes Spiekermann in Entrup, der im Besitz der Ruhr­kohle AG war, von einer Gärtnerhofgemeinschaft pachtweise biologisch-dynamisch bewirtschaftet, die sich 1991 als Gärtnerhofgemeinschaft „drunter & drüber“ dem Demeter-Verband anschloss.

Als die RAG ab 1995 deutlich machte, den Anfang der 80er Jahre erworbenen Hof wieder verkaufen zu wollen, fand sich kurzfristig ein Kreis engagierter Menschen zusammen, um den biologisch-dynamisch bewirtschafteten Hof und seine ökologisch gewachsenen Lebensräume für die Zukunft zu sichern und seine Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Mit tatkräftiger Unterstützung durch den Rechtsanwalt Janitzki aus der Kanzlei Barkhoff & Partner - eine der Keimzellen der GLS-Bank - wurde das Konzept der Aufgabenteilung, zwischen einem gemeinnüt­zigen Verein auf der einen Seite und der wirtschaftlichen Tätigkeit einer Betriebsgemeinschaft auf der anderen Seite, verankert. Der Verein „Initiative zur Erforschung und Förderung des biologisch-dynami­schen Landbaus e.V." wurde dann Ende 1999 Eigentümer von Land und Gebäuden und verpachtete fortan diese, mit Auflagen verbunden, an den Betrieb. So ist auf „Entrup 119" die biologisch-dynami­sche Bewirtschaftung und seit 2007 die Community Supported Agriculture (CSA) im Nutzungsüberlas-sungsvertrag festgeschrieben.

CSA entwickelte sich auf „Entrup 119" über Jahre hinweg, aus einzelnen, am Hof aktiven Initiativen, immer im Hinblick darauf, irgendwann den gesamten Hof auf CSA umzustellen. So gab es beispiels­weise seit 2001 bis Frühjahr 2008 eine Schafhaltergemeinschaft, in der sich eine Gruppe von Frauen die Kosten einer eigenen Schafherde geteilt hatten.

Ich selbst war 2005 nach einer begeisternden Hofführung von Jürgen Hassemeier (heute Gärtnerei Wurzelwerk) Mitglied einer Kuhhaltergemeinschaft geworden. Das Projekt wurde allerdings aus wirt­schaftlichen Gründen 2007 beendet.

Auf die Erfahrung mit CSA in „Entrup 119" aufbauend, haben sich der Hof und der Verein Ende 2006 zur Gründung einer Genossenschaft entschieden, der sie dann im Januar 2007 die Bewirtschaftung des Ho­fes übertrugen. Die Genossenschaft „Gärtnerhof Entrup eG" stellt seitdem einen Rechtsrahmen dar, der einer Vielzahl an Mitgliedern eine verbindlich-wirtschaftliche Beteiligung an „ihrem" Hof ermöglicht. Eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft wird daher allen CSA-Teilnehmer/innen nahe gelegt, ist aber nicht verpflichtend.

CSA startete dann neu auf „Entrup 119" im Sommer 2008. Mehrere Informationsveranstaltungen wa­ren diesem Neustart vorausgegangen. Teilweise mit Unterstützung von Wolfgang Stränz, der von seinen Erfahrungen auf dem Buschberghof berichtete. Weiterhin gab es ein Hoffest, den „Tag des Schafes", eine Konzertveranstaltung im Schafstall sowie eine Beteiligung an der Podiumsdiskussion zur Aufführung des Films über „Farmer John" im Münsteraner Cineplex.

Der Start gelang 2008 mit 35 Teilnehmer/innen - wir nennen uns gerne auch „Teilgeber" - die einen durchschnittlichen Beitrag von 100 Euro pro Monat zahlten. Bis zum Winter 2011/2012 stieg die An­zahl auf 120 Teilgeber - 80 Einzelpersonen und 20 Familien. Der durchschnittliche Beitrag beträgt nun 120 Euro im Monat.

Ein CSA-Jahr geht bei uns vom 1. Juli bis zum 30. Juni des Folgejahres. Die Monate Mai und Juni waren bislang immer Probemonate, in denen man eine Teilnahme ausprobieren konnte, um dann ab dem 1. Juli eine verbindliche Teilnahme zusagen zu können. Jährlich findet Ende Juni die CSA-Jahresversammlung statt, auf der der Hof die Jahresplanung mit Budget vorstellt und die Teilnehmer aufgefordert werden individuelle „Gebote" abzugeben, um damit in der Gruppe das notwendige Budget aufzubringen.

Das Budget orientiert sich am Finanzbedarf des Hofes. „Entrup 119" kann etwa einhundertachtzig Men­schen mit Lebensmitteln versorgen und benötigt hierfür jährlich etwa 280.000 Euro - abzüglich der Einnahmen, die im Hofladen erwirtschaftet werden.

Zusammen mit dazu gepachteten Flächen bewirtschaftet „Entrup 119" heute dreißig Hektar Land. Davon sind einundzwanzig Hektar Grünland (größtenteils als ökologische Ausgleichsfläche ausgewie­sen), drei Hektar Wald und sechs Hektar Ackerland, auf tonigen Lehmböden. Folientunnel decken etwa neunhundert Quadratmeter ab. Auf dem Hof leben und arbeiten zwei Familien, drei landwirtschaftliche Angestellte, zwei Auszubildende in der „Freien Ausbildung", ein Bäcker und saisonabhängig Aushilfen und Praktikanten, die allesamt Angestellte der Genossenschaft sind. Die Mitglieder der CSA-Gemeinschaft dürfen nach Absprache mithelfen, müssen es aber nicht.

Es werden ganzjährig etwa vierzig verschiedene Gemüse und Salat-Sorten angebaut. Obst ist nicht Bestandteil des Anbauplans, es gibt aber Streuobst zum Selberpflücken.

Das Grünland wird beweidet von einer Herde mit neunzig Ostfriesischen Milchschafen, plus Nach­zucht. Die Milch wird in einer eigenen Hofkäserei, zu etwa zwanzig verschiedenen Milchprodukten vom Joghurt bis zum Bergkäse, verarbeitet.

Den Sommer über werden sechs Schweine gehalten, die die Molke aus der Käseproduktion sowie über­schüssiges Gemüse erhalten. Die Schweine werden jedes Jahr im Herbst geschlachtet und das Fleisch wird, ebenso wie das von den Lämmern, von einer kleinen Metzgerei im Nachbarort verarbeitet. Eine eigene Hofbäckerei stellt mit zugekauftem Getreide vier bis fünf verschiedene Brotsorten her.

Die Verteilung der Produkte erfolgt derzeit über fünf privat organisierte Depots sowie Fahrgemein­schaften („Kofferraumdepots"). Ein bewirtschaftetes Depot, in dem zusätzliche Bio-Produkte aus der Region gekauft werden können, ist in Planung. Die Depots werden einmal wöchentlich vom Hof be­liefert. Pro Teilgeber sind in der Regel ein Brot, drei Eier, je nach Saison zwei bis drei Milchprodukte und immer ausreichend Kartoffeln vorgesehen. Da die Auswahl und Menge an Gemüse und Salat von Woche zu Woche und saisonal variiert, wird die bei der Belieferung in die Depots vorgesehene Menge an Gemüse pro Person über einen Begleitzettel mitgeteilt. Die Aufteilung der Lebensmittel innerhalb eines Depots erfolgt eigenverantwortlich durch die Abholer. Als gute Idee hat sich eine spezielle Kiste erwiesen, in welche die Abholer jene Produkte legen, die ihnen zwar zustünden, die aber aus verschie­denen Gründen nicht benötigt werden.

Für mich sind die Solidarische Landwirtschaft auf „Entrup 119" und die damit zusammenhängenden Aktivitäten und Bekanntschaften eine spannende und abwechslungsreiche Bereicherung des Lebens. Gerade dann, wenn man den eigenen Hof nicht nur als weiteren Lebensmittellieferanten und womöglich Kostenfaktor versteht, öffnet sich durch eine aktive Teilhabe ein bunter Strauß neuer Impulse.



Gärtnerhof Entrup eG
Entrup 119
48341 Altenberge
Deutschland
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Fax 02505 991598