Entrup 119 - landwirtschaftliche Initiative und Gärtnerhof im Münsterland
Kopfgrafik - Schafe auf Wiese

"Bei der CSA bekommen Bauern faire Preise"

Katharina Kraiß studierte an der Universität Kassel-Witzenhausen Öko-Landbau. Ihre Bachelor-Arbeit schrieb sie 2008 über „Community Supported Agriculture (CSA) in Deutschland"

BioHandel - Das Fachmagazin der Naturkosttbranche - führte ein lesenswertes Interview mit ihr und veröffentlichte es in ihrer Ausgabe 11/2009.

BioHandel: Was hat sie motiviert, sich mit dem Thema CSA zu beschäftigen?

Katbarina Kraiß: Ich habe mich im Rahmen eines Projekts an der Uni mit sozialer Landwirtschaft und Hofgemeinschaften beschäftigt und bin dabei auf die CSA gestoßen. Mich hat dieses Konzept direkter regionaler Versorgung fasziniert.

BioHandel: Sie haben die bestehenden CSA-Projekte untersucht? Was sind das für Menschen, die da mitmachen?

Kraiß: Sehr oft sind es Eltern mit kleinen Kindern, die wissen wollen, woher ihre Lebensmittel kommen. Sie möchten auch, dass ihre Kinder einen Bezug zum Essen bekommen, Erfahrungen auf dem Bauernhof sammeln. Regionalität, Nachhaltigkeit und Lebensqualität sind auch wichtige Motive, Generell kann man sagen, dass es sich um Menschen handelt, die sich bewusst mit Fragen der Ernährung und dem sozialen Gefüge der Gesellschaft beschäftigen. Obwohl viele CSA-Projekte von Demeter-Betrieben ausgehen, sind Menschen mit anthroposophischem Hintergrund nicht überproportional stark vertreten.

BioHandel: In einem CSA-Projekt zahlt jeder den gleichen Betrag und nimmt sich dafür von den Lebensmitteln, soviel wie er braucht. Funktioniert das tatsächlich ohne Streit?

Kraiß: Bei vielen Leuten gleicht sich das aus. Der eine nimmt mehr Milch, der andere mehr Gemüse, Die Menschen, die da mitmachen, haben auch ein Bewusstsein dafür. Bei Lebensmitteln, die nur in begrenzten Mengen verfügbar sind, wird das auch vorab gesagt, damit jeder ungefähr einschätzen kann, was ihm zusteht. Außerdem kennt man sich ja untereinander und redet miteinander. Bei Projekten, die noch nicht lange existieren, ist oft klarer definiert, wer wie viel bekommt.

BioHandel: Arbeiten die CSA-Mitglieder auf dem Hof mit?

Kraiß: Ganz unterschiedlich. Es gibt Höfe, bei denen die Mitglieder in die landwirtschaftliche Arbeit einbezogen werden und zum Beispiel im Sommer monatliche Arbeitseinsätze stattfinden. Bei anderen geschieht dies nur sehr sporadisch. Oft kümmern sich die CSA-Mitglieder um die Verteilung der Lebensmittel. Überall gibt es regelmäßige Treffen, auf denen die Angelegenheiten der CSA besprochen werden, sowie ein bis zwei gemeinsame Feste und Aktionen im Jahr.

BioHandel: Muss für ein CSA-Projekt ein Hof möglichst ganzheitlich bewirtschaftet werden, damit es viele verschiedene Lebensmittel gibt?

Kraiß: Im Prinzip ja, und optimal ist es, wenn am Hof auch Brot gebacken oder Käse gemacht wird. Es gibt aber auch CSA-Projekte, die nur Gemüse anbauen. Da sind dann die Beiträge entsprechend geringer. Möglich wäre es, dass sich Höfe mit unterschiedlicher Produktpalette zusammentun und eine CSA-Gruppe versorgen.

BioHandel: Hat das Interesse an CSA-Projekten zugenommen?

Kraiß: Ja, es gibt einzelne Verbrauchergruppen, die sich so etwas überlegen und es gibt einige Landwirte, die darüber nachdenken. Wichtig wäre es, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Wir haben uns schon überlegt, ob wir im Internet nicht eine Informationsplattform einrichten. Doch im Moment fehlt es an Kapazitäten. Insgesamt muss noch mehr Bewusstsein dafür entstehen, welchen Wert die regionale Erzeugung hat und dass bei der CSA der Bauer tatsächlich den fairen Preis bekommt, den er braucht, um nachhaltig wirtschaften zu können.

BioHandel: Haben Sie Ihre Mitstudenten in Witzenhausen schon mit dem CSA-Gedanken infiziert?

Kraiß: Infiziert nicht, informiert schon. Es gibt keine Pläne, jetzt eine Studi-CSA zu gründen. Das wäre auch schwierig, weil die Studenten in den Semesterferien nicht da sind und dann niemand die Lebensmittel essen würden. Aber viele Studenten sind Mitglied im Verein Schachtelhalm, der in seinem Laden sehr viele Produkte regionaler Erzeuger verkauft.

Wer weitere Artikel aus der Ausgabe nachlesen möchte, findet entsprechenden Ausschnitte zum Download auf der Website von hofgruender.de


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