Entrup 119 - landwirtschaftliche Initiative und Gärtnerhof im Münsterland
Kopfgrafik - Schafe auf Wiese

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft

Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ist die älteste unter den verschiedenen Varianten des ökologischen Landbaus. Ihr geistiges Fundament ist eine Reihe von Vorträgen, die Rudolf Steiner (1861-1925) vom o7. bis zum 16. Juni 1924 auf Gut Koberwitz bei Breslau für etwa 100 Landwirte gehalten hat. Vor den Teilnehmern hielt er acht Vorträge, an die sich Aussprachen anschlossen. Es wurden Themen wie das Zusammenleben von Erde und Kosmos und die planetarischen Wirkungen auf die Erde und deren Bewohner behandelt.

Der landwirtschaftliche Betrieb mit seiner einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt wird darin als lebendiger Organismus angesehen. Rinderhaltung, hofeigenes Saatgut und Futter, Düngung mit kompostiertem oder fermentiertem Wirtschaftsdünger (Präparate) und Leguminosenanbau sind die Basis für einen autarken Hofkreislauf, in dem Boden, Pflanzen, Tiere und Menschen im harmonischen Gleichgewicht leben und sich zu einem vitalen Gesamtorganismus zusammenschließen können.

Statt chemischer Mineraldüngung und Schädlingsbekämpfung werden in der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise spezielle Kräuter-, Quarz- und Mistpräparate für die Düngung, Schädlingsbekämpfung und Kompostbereitung eingesetzt. Präparate aus Kuhdung und aus Heilpflanzen fördern die Lebendigkeit des Bodens.

Die Komponenten werden dynamisch mit Wasser verrührt, wodurch sich ihre feinstofflichen Qualitäten entfalten, und in homöopathischer Verdünnung ausgebracht. Alle Vorgänge, von der Präparatebereitung bis zur Ausbringung, müssen zur rechten Zeit erfolgen, die durch die Wechselwirkung irdischer und kosmischer Rhythmen bestimmt wird.

 

 

 

 

 

Die biologisch-dynamischen Präparate

Bei deren Herstellung kommt es nicht nur auf die pflanzlichen und tierischen Substanzen an, sondern auch auf die Reifungsprozesse der so hergestellten Präparate.

Deren Nummerierung von 500 bis 508 stammt nicht von Steiner, sondern erst aus dem Jahre 1928 und wird heute zumeist parallel zu deren Bennenung verwendet.

 

 

 

 

 

 

Die beiden Spritzpräparate

Hornmist-Präparat (500)

Materialien:

  • Hörner von weiblichen Kühen, die schon mindestens einmal gekalbt haben.
  • Kuhfladen aus dem Frühherbst von Kühen mit Weidegang.



Herstellung:

  • Die Kuhhörner werden bis zum Rand mit dem Mist gefüllt und anschließend in tiefgründigem Boden mit der Öffnung nach unten vergraben.

Zubereitung:

  • Der so bis Ostern entstehende, nicht mehr nach Mist riechende Horninhalt (etwa 50 g, geeignet für einen Morgen, also 2.500 qm) wird in 1o - 15 l handwarmem Wasser eine Stunde lang intensiv per Hand verrührt.

Anwendung:

  • Nach der Herstellung des Spritzpräparates wird dieses im Frühjahr großtropfig auf die zur Aussaat verbreiteten Flächen ausgebracht. Nach der Ernte wird dieser Vorgang im Herbst nochmals wiederholt.

Hornkiesel-Präparat (501)

Materialien:

  • Hörner von weiblichen Kühen, die mehrmals gekalbt haben.
  • Quarz, z.B. Bergkristall

Herstellung:

  • Die Quarzkristalle werden im Frühjahr mehlfein zermahlen und mit Regenwasser zum einem Brei verrührt, der in die Hörner gefüllt wird.
  • Nach einigen Tagen des Absetzens wird das überschüssige Wasser abgegossen und die Hörner werden in einer separaten Präparategrube mit der Öffnung nach oben den Sommer über an einem sonnigen Platz vergraben.

Zubereitung:

  • Der so bis September entstehende Horninhalt (1 g reicht für einen Morgen, also 2.500 qm) wird in handwarmem Wasser (10-15 l pro g) eine Stunde lang intensiv per Hand verrührt.

Anwendung:

  • Nach der Herstellung des Spritzpräparates werden Kieselspritzungen bei Obst nach der Ernte, nach der Blüte und zur Fruchtausreifung vorgenommen. Bei Salat und Kohl dienen sie zur Ausbildung der Köpfe und bei Wurzelgemüsen können sie zur Steigerung der Pflanzengesundheit und der Ernteerträge vierzehntägig wiederholt werden.

Die Dünger- bzw. Heilpflanzenpräparate

Schafgarbenpräparat (502)

Materialien:

  •  die Blütenköpfe der Schafgarbe 
  •  eine Hirschblase

Herstellung:

  • Die an sonnigen Tag von Mitte Juli bis Anfang August gesammelten Blüten werden wie Tee getrocknet und aufbewahrt.
  • Im Frühjahr werden diese mit so viel Presssaft aus der frischen Pflanze oder Schafgarbentee bespritzt, dass der Feuchtigkeitszustand der Blüten dem einer stark angewelkten Pflanze entspricht.
  • Dann werden diese in die angetrocknete Hirschblase gestopft , die nach dem Einfüllen mit einer Schnur zugeknotet und an einem sonnigen Platz aufgehängt wird.
  • Ende September wird die Blase abgenommen und in einer Grube  so tief vergraben, dass sie  mindestens mit 30 cm Erde bedeckt ist.
  • Im Frühjahr wird das Präparat ausgegraben und in einem Glas, Ton- oder Steingutgefäß, das von einer Torfschicht umhüllt wird, in der Präparatekiste kühl aufbewahrt.

Kamillenpräparat (503)

Materialien:

  •     die Blütenköpfe der echten Kamille
  •     der Dünndarm einer Kuh

Herstellung:

  • Die bei sonnigem Wetter im aufblühenden Zustand gesammlten Blütenköpfe werden getrocknet und bis zur Weiterverarbeitung in einem luftigen Säckchen aufbewahrt.
  • Im Herbst werden die angefeuchteten Kamillenblüten in einen zwar ausgedrückten, aber nicht gewaschenen Rinderdarm  gestopft, der anschließend zum Antrocknen aufgehängt wird.
  •  Anschließend wird er eingegraben und bleibt  während des Winters an einem sonnenbeschienenen Platz im Boden.
  • Nach dem Ausgraben Ende April wird der Darminhalt getrocknet und in einem  von Torf umgebenen Gefäß gelagert.

Brennnesselpräparat (504)

Materialien:

  • Brennnesselpflanzen zu Beginn ihrer Blüte
  • ein Stoffsack oder eine Kiste

Herstellung:

  • Mit der Sense werden die Brennnesseln früh morgens geschnitten.
  • Die leicht gewelkten, gebündelten Pflanzen werden am Nachmittag in einen Stoffsack oder eine Kiste gepackt.
  • Zu Johanni werden sie in einer Grube, die mit einer 5 cm dicken Torfschicht ausgeschlagen ist, vergraben.
  • Nach einem Jahr kann das fertige Brennnesselpräparat herausgenommen werden. 

Eichenrindenpräparat (505)

Materialien:

  • Eichenrinde, die von über 30 jährigen, noch lebenden Stieleichen (Durchmesser etwa 30-50 cm)stammt
  • der Schädel eines Schlachttieres (Schwein oder Pferd)


Herstellung:

  • Die zerkleinerte Borke und Rinde wird zwischen Ende August und Ende September durch das Hinterhauptloch in den  gereinigten Schädel des Schlachttieres eingefüllt und festgestopft.
  • Der gefüllte Schädel wird in ein Holzfass oder ein Ton- bzw. Betonrohr gelegt, das den Sommer über mit Regenwasser und Pflanzenmasse gefüllt gewesen ist, so dass sie am Fassboden verschlammen konnte.
  • Das Fass wird anschließend unter eine Regenrinne gestellt, damit  den Winter über Regenwasser zu-  und ablaufen kann. 
  • Im Frühjahr wird das Eichenrindenpräparat herausgenommen und getrocknet.

Löwenzahnpräparat (506)

Materialien:

  • noch nicht ganz aufgeblühte Löwenzahnblüten
  • das Bauchfell bzw. Gekröse eines Rindes

Herstellung:

  • Die Löwenzahnblüten werden im Frühjahr -Ende April bis Mitte Mai - an einem sonnigen Morgen gepflückt. Diese lässt man einige Stunden in der Sonne stark anwelken.

  • Zwischen Michaeli und  Mitte Oktober werden die getrockneten Blütenblätter mit Tee angefeuchtet und in das Bauchfell eines Rindes eingeschnürt.

  • Das Paket wird mit der offenen, eingeschlagenen Seite nach unten eingegraben und erst im nächsten Frühjahr (Ende April bis Anfang Mai) wieder ausgegraben.

  • Der getrocknete Inhalt kann in einem Gefäß in der Präparatekiste aufbewahrt werden.

Baldrianpräparat (507)

Material:

  • frisch aufgeblühte Baldrianblüten


Herstellung:

  • Die frisch aufgeblühten Blütenstände des Baldrians werden von Ende Juni bis Mitte Juli morgens gesammelt, zerkleinert und ausgepresst.
  • Der abgeseihte Saft wird in eine Flasche gefüllt, die dunkel, bei Kellertemperatur stehend gelagert wird.
  • Aufgrund des einsetzenden Gärprozesses darf die Flasche erst nach einigen Wochen fest verschlossen werden.
  • Das so entstehende Präparat reift während der Lagerung und kann mehrere Jahre aufbewahrt werden.
 
 
 
 

Anwendung der Kompostpräparate

Mit den 6 aus Heilpflanzen hergestellten Präparaten (502 - 507) werden Komposthaufen, Misthaufen oder Tiefstallmist präpariert, indem mit einem angespitzten Holzstock gemäß der nebenstehenden Skizze fünf Löcher in den Kompost gestoßen werden, die mit den Zusätzen bestückt und wieder abgedeckt werden.

Das Brennnesselpräparat kommt stets in die Mitte und das flüssige Baldrianpräparat wird anschließend über die Oberfläche des Komposts gespritzt.

Weitere Mittel der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise

Ackerschachtelhalmpräparat (508)

Herstellung:

  • Die kurz vor Johanni an einem sonnigen Tag gesammelten oberirdischen Teile der Pflanze werden im Schatten getrocknet und anschließend in einem luftigen Säckchen aufbewahrt.

Zubereitung:

  • Bei Bedarf werden etwa 250 - 300 g des getrockneten Ackerschachtelhalms in 10 - 20 l Wasser etwa eine Stunde lang geköchelt.
  • Bei frischem Ackerschachtelhalm werden 1 - 1,5 kg in 10 -15 Litern Wasser gekocht.

Verwendung:

  • Hiervon wird eine 5 – 10prozentige Lösung hergestellt, die im Herbst bis November und im Frühjahr von Februar bis in den Hochsommer hinein ausgespritzt werden kann.
  • Das Ackerschachtelhalmpräparat hilft besonders bei Pilzgefährdung.

Der Rotteförderer

Fladenpräparat

Materialien:

  • Kuhfladen
  • Düngepräparate

Herstellung:

  • Eine etwa 60cm breite und 40 cm tiefe Grube, die mit ungeschälten Birkenholzknüppeln ausgelegt ist, wird mit frischen, festen Kuhfladen gefüllt.
  • Diese Füllung wird mit den Heilpflanzenpräpaten geimpft und anschließend abgedicht - gut belüftet, aber regendicht.

Verwendung:

  • Wenn das Präparat den Fladengeruch verloren hat und bröselig, dunkel sowie locker geworden ist, kann es zur Förderung der Rotte eingesetzt werden. Dazu wird es der entstehenden Kompostmiete  beigemengt oder in  flüssiger Form (im Verhältnis 1:7 mit Wasser verrührt) über die Miete gegossen wird.
  • Außerdem kann der flüssige Ansatz für die Gründüngung, frisches Mulchmaterial und junge Aussaaten genutzt werden.

Weiterführende Informationen

sind u.a im Verlag Lebendige Erde erschienen:

  • Arbeitsheft 1: 
Anleitung zur Herstellung der Biologisch-Dynamischen Präparate
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


  • Arbeitsheft 2:
Anleitung zur Anwendung der Biologisch-Dynamischen Feldspritz- und Düngerpräparate
 
 
 
 
 

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