Entrup 119 - landwirtschaftliche Initiative und Gärtnerhof im Münsterland
Kopfgrafik - Schafe auf Wiese

Der Bombenabwurf und seine Folgen

Im März 1944 gab es in Altenberge 102 Mal Fliegeralarm mit einer Gesamtdauer von 108 Stunden und 15 Minuten. Seit dem Herbst 1943 fanden nämlich außer den Nachtangriffen auch Tagesangriffe auf Münster statt.

Am 11. März begann der morgendliche, fünfundfünfzig Minuten andauernde Alarm in Altenberge um 9 Uhr 30. Bereits fünf Minuten später wurden von feindlichen Flugzeugen 4 Sprengbomben und ca. 400 Kautschuk-Benzolbrandbomben in der Bauerschaft Entrup abgeworfen. Der Hof von Alfons Spiekermann - damals Entrup 12 / heute Entrup 119 - wurde vollständig zerstört, 11 Personen mussten umquartiert werden, 1 Kuh verbrannte direkt im Stall und drei weitere mussten notgeschlachtet werden.

Auf den Nachbargehöften - Hüsing (damals Entrup 14), Große Horstmann (damals Entrup 16) und Temming (damals Entrup 11) -  gab es zwar auch Brände, aber keine totale Zerstörung.

 

Der Altenberger Heimatforscher Karl-Heinz Stening erklärt in seinem Buch [Unruhige Zeiten. Altenberge in Krieg und Umbruch. Altenberge 1994. S. 276.] den Bombenabwurf in der Bauerschaft folgendermaßen:

„Bei den zahlreichen Angriffen auf das nahe Münster ist Altenberge im Ganzen verhältnis­mäßig glimpflich davongekommen. Da die Flugzeuge bei ihren Angriffen auf Münster mei­stens Altenberge überflogen, war dieser Ort natürlich oft in großer Gefahr. In einigen Fällen wurden die sogenannten „Angriffszeichen" (= Rauchfahnen in der Luft) zu früh oder falsch gesetzt, manchmal auch durch starken Wind „verweht", so daß ganze „Bombenteppiche" am falschen Ort niederkamen: einmal in der Bauerschaft Westenfeld, als Breward abbrann­te; dann am 11. März 1944 in der Bauerschaft Entrup bei Spiekermann, als dieser Hof zer­stört wurde und die benachbarten Höfe Hüsing und Große Horstmann in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zur Erinnerung an den glücklichen Ausgang des Brandes - die stabile Brandmauer hatte den Übergriff des Feuers auf das Wohnhaus verhindert - hat die Familie Hüsing seinerzeit oben im Hausgiebel eine Sandsteinfigur des hl. Joseph mit der Inschrift „Ora pro nobis" anbringen lassen, die vom Bildhauer Adolf Lamkemeyer aus Nordwalde geschaffen worden war.

 

Willi Riegert hat in einer DOKUMENTATION UND CHRONOLOGIE: Heimat unter Bomben. Der Luftkrieg im Raum Steinfurt und in Münster und Osnabrück 1939-1945. [Steinfurt. 3.Auflage 2012. S. 71/72.] diesen und weitere Bombenabwürfe am 11. März 1944 im Münsterland aufgeführt.


"11.03.1944 Münster: Uhrzeit: 09.47-09.55, Angriff durch 8. USAAF [United States Army Air Force = Luftwaffe des amerikanischen Heeres] mit 124 „B-17"-Bombern der  1.  u.  2.  Bomberdivision.   462  Sprengbomben, 4 Blindgänger, 59 Kanister, (200 Sprengbomben, 600 Brandbomben.) 7 Tote, 20 Verletzte. 40/ [= Sammlung Wilfried Beer u.a. Luftangriffe auf Münster (Westf.), Stadt Münster, 1954]   
11 „B-17" werfen Bomben auf Bentheim und 2 „B-17" Bomben auf Burgsteinfurt.
11.03.1944 Osnabrück: Uhrzeit: 15.16-15.17, 1 Sprengbomben. 45/ [= Wido Spratte: "Im Anflug auf Osnabrück".1985]
Nordwalde: Am Samstag, 11. März 44, flog bei dunklem, naßkaltem Wetter ein feindlicher Verband über unseren Ort. Bei Bauer Hubert Kleimann, Josef Lenfort und Münsterweg wurden mehrere Phosphorkanister und Bomben mit Kautschuk und Benzin abgeworfen, die hellauf brannten. Bei Josef Lenfort fielen mehrere in unmittelbare Nähe des Hauses. Das Haus fing an zu brennen. Der Brand wurde gelöscht von Frau Lenfort und ihren Nachbarn. Auch der polnische Zivilarbeiter half kräftig mit. Josef Lenfort war beim Bauern B. Rohmann in Westerode am Dreschen. Er eilte durch ein Flammenmeer zu seinem Hause, wo selbst die Gefahr inzwischen gebannt war. Mehrere Hundert Brandbomben sind in Westerode und in der Bauerschaft Entrup geworfen. Auf Nordwalder Gebiet fielen etwa 70 bis 80. Auf Altenberger Gebiet brannten Bauer Spreckermann [= Spiekermann] und Hirsing [= Hüsing] ab, beschädigt wurden auch die landwirtschaftlichen Gebäude von Große Horstmann. Unsere Feuerwehr griff kräftig mit beiden Motorspritzen ein. Auf Altenberger Gebiet nahe der Gemeindegrenze kamen auch Sprengbomben herunter, die aber ins Gelände fielen. Da der elektrische Strom aussetzte, wurde mit Wattendorffs Fabriksirene entwarnt. 16/1" [Buch: "Nordwalde" 1984: Die Tagebücher Heinr.[ich] Scheeles von 1939-1945. Heimatarchiv, Nordwalde, Heimatmuseum]

 

Am 24. Juli 1945 erschien der Bauer Alfons Spiekermann im Rathaus von Altenberge und trug folgendes Anliegen vor:

Durch Bombenschaden vom 11.3.1944 ist mein Wohnhaus, sowie sämtliche Stallgebäude zerstört worden. Für den Wiederaufbau habe ich sofort begonnen und ist zum grössten Teil fertiggestellt.

Der Gebäudeschaden beträgt zirka 65 – 70000, -  RM [Reichsmark]. Vom Reich habe ich bisher 30.000 RM erhalten. Da eine Entschädigung des Reiches nicht mehr stattfindet, bitte ich um einen Vorschuss von der Gemeinde in  Höhe von 8-10000,  RM. Unbezahlte Rechnungen in Höhe von 12.000,- RM liegen noch vor.

Sechs Tage später, am 30. Juli 1945, ist ihm, wie die Aktennotiz zeigt, mitgeteilt worden, „dass die Gemeinde dazu nicht in der Lage“ sei.

 

Der Amtsdirektor von Altenberge hat fast 2 Jahre später, am 14. Juni 1947, die Zahlung von 1.739,46 RM an Alfons Spiekermann als Erstattung für „Bombenschäden, die vor der Zeit der Besatzung entstanden sind“, angewiesen.

Dass die Forderungen wesentlich höher gewesen sind, zeigt eine undatierte Auflistung von 55 Rechnungen aus dem Zeitraum vom April 1945 bis Ende September 1946. Die Summe der Material- und Lohnkosten, die auch noch in der Nachkriegszeit zur Beseitigung der Bombenschäden aufgewendet worden ist,  betrug demnach annähernd 29.000 Reichsmark.

 


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